Hotels früher und heute

Kurhaus und Hotel Plättig

Bereits 1884 erbaut die Familie Weis, bis dahin die Betreiber des Kurhauses Sand, das Kurhaus Plättig. Nicht nur aus dem boomenden Baden-Baden kommen die Gäste in großer Zahl zu Pferde und per Kutsche hinauf und entdecken die Bergromantik des Hochschwarzwalds. Die Folge: Bereits 1890/1891 steht die erste Erweiterung des Kurhauses an. Oberhalb des älteren „Kleinen Plättig“ entsteht der neue „Große Plättig“. Berühmte Gäste logieren dort, z.B. aus St. Petersburg, Großherzog Friedrich I von Baden u.a.

Ende des 19. Jahrhunderts wird der Plättig erneut erweitert. In mittlerweile 100 Zimmern ist Platz für 160 Gäste. Stolze Zahlen für damalige Zeiten. Auf die Familie Weis folgen die Nachfahren Therese und Karl Habich, deren Söhne Otto und Hermann,  und schließlich ihr Neffe Reiner Kern, der das Hotel von 1958 – 1986 führt. Das Haus erreicht seine Blütezeit in den 1960/70er Jahren, was sich in mehreren Neu- und Umbauten widerspiegelt . Nach über 100 Jahren in Familienbesitz erwirbt die Max-Grundig-Stiftung 1986 das Gebäude. Es folgen SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp, der den traditionsreichen Plättig an einen Ukrainer verkauft. Heute ist ein Kasache Besitzer des seit Jahren leerstehenden Kurhauses. Letztmals beherbergt der traditionsreiche Plättig im Juni 2010 Gäste.

Durch den Leerstand wird die Bausubstanz nicht besser. Die Menschen in der Region hoffen, dass sich für den Plättig eine sinnvolle Nutzung findet, die die Zukunft des Höhenhotels sichert.

Kurhaus und Schloßhotel Bühlerhöhe

Auf der Bühlerhöhe baut die Generalswitwe Hertha Isenbart 1912 ein Genesungsheim für höhere Offiziere sowie ein Sanatorium mit ärztlicher Versorgung. Das außergewöhnliche Anwesen entwirft der Architekt Wilhelm Kreis. Es entsteht an erhabener Stelle auf dem Kohlbergfelsen in 770 Metern Höhe oberhalb von Bühlertal. Das Sanatorium nimmt bereits 1913 erste Patienten auf und wird 1914 als Reservelazarett in Betrieb genommen. In den Wirren des Ersten Weltkriegs wird die Finanzierung von Jahr zu Jahr schwerer. Aus lauter Verzweiflung nimmt sich Hertha Isenbart 1918 das Leben.

Der neue Besitzer eröffnet das Hauptgebäude 1920 mit guter Gastronomie und individueller Betreuung als Hotel. 1921wird es zum Kurhaus umgebaut. Bereits Mitte der 1920er-Jahre hat die Bühlerhöhe einen über Deutschland hinausreichenden Ruf. Hochrangige und namhafte Gäste steigen ab, so Reichskanzler Gustav Stresemann und Schauspieler Gustaf Gründgens und viele andere mehr.

Bundeskanzler Adenauer unter den Gästen

1934 trifft sich Adolf Hitler auf der Bühlerhöhe mit Benito Mussolini. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs nutzt die französische Besatzungsmacht die Bühlerhöhe bis 1949. Danach geht es wieder aufwärts. Für Bundeskanzler Konrad Adenauer ist die Bühlerhöhe zwischen 1953 – 1957 sein Lieblingsurlaubsdomizil.

Nach finanziellen Schwierigkeiten erwirbt der Industrielle Max Grundig 1986 das Anwesen und gibt dem Kurhaus den Namen „Schlosshotel Bühlerhöhe“. Das Sanatorium, welches sich inzwischen als private Fachklinik für Innere Medizin und Psychosomatik einen Namen gemacht hat, wird zur „Max Grundig Klinik“. Schon bald spielt die Bühlerhöhe mit dem Schlosshotel wieder in der Liga der europäischen Luxushotellerie mit. Während die Max Grundig Klinik GmbH seither in derselben Hand zukunftsfähig ist, übernimmt SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp 1999 das Schlosshotel. Er verkauft es 2010 an einen ukrainischen Investor, der es wiederum an einen Kasachen veräußert. Seit Jahren steht die prachtvolle Bühlerhöhe leer, Investitionen haben bis heute nicht stattgefunden.

Kurhaus Sand

Das Kurhaus Sand liegt auf 824 Meter Höhe unterhalb des Mehliskopfs. Zu Anfang, um 1845, war dort eine einfache Schutzhütte mit Gastraum für Fuhrleute und Waldarbeiter. Mitte der 1870er Jahre übernimmt Joseph Martin Weis das Gebäude samt Waldschänke und baut es zu einem Gasthaus aus. 

Es ist die Zeit, in der die ersten Baden-Badener Kurgäste, aber auch Besucher aus dem Murgtal und Bühl die Höhengebiete für sich entdecken. Weis erkennt schnell deren Wünsche und baut den Sand großzügig um. Das auf Bühler Gemarkung gelegene Gebäude wird um einen Speisesaal und Gästezimmer erweitert. Eingeweiht wird das Kurhaus Sand im Beisein von Großherzog Friedrich von Baden.

1890 kauft Küchenchef Friedrich August Maier den Sand, erweitert ihn und weiht bereits 1891 den Neubau ein, unter anderem mit einem Speisesaal für 200 Personen und einem Tennisplatz. Das Kurhaus Sand erlebt seine erste Blütezeit. Schon Anfang der 1920er Jahre folgt der Bau der für das Höhengebiet wichtigen Tankstelle. Später kommen ein Postamt und ein Polizeiposten hinzu. 1932 übernehmen Max Wiedemann und Ferdinand Huse das Kurhaus. Wiedemann führt das Hotel bis in die 1980er Jahre. 1994 schließt das Kurhaus Sand seine Pforten.

Das Kurhaus ist innen recht gut erhalten

Längst ist der Sand im Besitz der Kurhaus Sand GmbH. Unter gleicher Adresse firmiert die Stiftung „Paradiesbau auf Erden“, deren Ziel es unter anderem ist, das Weltklima mit hochwachsenden Mammutbäumen zu retten. Das Kurhaus steht leer. Der Sand muss dringend saniert werden, um der Nachwelt das traditionsreiche Haus zu erhalten. Außen ist das stolze Gebäude nahezu unverändert. Allerdings leidet die mit Schindeln versehene Fassade deutlich unter den Witterungseinflüssen. Der Handlungsbedarf ist unübersehbar. Es wird Zeit für den Sand! Innen ist das Kurhaus zum Teil weitgehend originalgetreu erhalten.

Der Sand liegt verkehrsgünstig an der Schwarzwaldhochstraße mit gut ausgebauten Verbindungsstraßen von Bühlertal und Bühl sowie vom Murgtal über die Schwarzenbachtalsperre und Herrenwies. Auch der Westweg führt am Sand vorbei. Es ist zu hoffen, dass dem einmaligen Kurhaus das schlimme Schicksal erspart bleibt, welches das Kurhaus Hundseck, nur wenige Kilometer entfernt, ertragen musste!

Kurhaus Hundseck

Die mahnenden Überreste des einst stolzen Kurhauses Hundseck liegen südlich des Mehliskopfs auf einer Höhe von 884 Metern an der Abzweigung der Schwarzwaldhochstraße hinunter nach Hundsbach. Anfang des 19. Jahrhunderts steht dort eine einfache, strohgedeckte Hütte, in der es Essen und Getränke gibt. 1884 baut Michael Hermann Wirth das Gasthaus und bietet mehrere Zimmer an. Seine Gäste sind in erster Linie Holzhauer und Fuhrleute. 

Doch die Zahl der Sommerfrischler, die die malerischen Schwarzwaldhöhen für sich entdecken, nimmt zu. 1886 übernimmt Andreas Hammer das Gebäude, 1892 kommt Teilhaber Stefan Maushart hinzu. Der bekannte, damals in Baden-Baden lebende Architekt Wilhelm Vittali erhält 1896 den Auftrag des Umbaus zu einem Höhenhotel. Das bekannte Brenners Parkhotel in Baden-Baden ist ebenfalls nach seinen Plänen erbaut.

Die Hundseck erhält als erstes Höhenhotel elektrisches Licht. Später kommt für die Sommermonate ein von Quellwasser gespeistes Außenschwimmbecken hinzu. Das Kurhaus Hundseck steht in voller Blüte. Während des Zweiten Weltkriegs dient das Haus der Kinderlandverschickung, teilweise auch als Sitz der NSDAP-Kreisleitung. Nach Kriegsende beschlagnahmen die Franzosen das Höhenhotel bis 1947.

Das gut erschlossene Gebiet rund um das Kurhaus wird früh zu einem Mittelpunkt des Wintersports. Ein großer Skihang entsteht, später kommt ein zweiter hinzu. Viele junge Wintersportler erlernen dort das Skifahren. Aus der jungen Trendsportart wird bald ein Volkssport.

Georg Thoma hält den Schanzenrekord

1921 folgt eine erste 20-Meter-Skisprungschanze. Auf der 1948/49 vom Skiclub Baden-Baden erbauten Nordschwarzwald-Schanze werden zahlreiche nationale und internationale Wettbewerbe und Meisterschaften ausgetragen. Den ewigen Schanzenrekord mit 68 Metern hält kein geringerer als Georg Thoma. Die Schanze ist eine Attraktion: Zu den Wettbewerben kommen oft mehrere 1000 Skisprungfreunde!

Nach Reparatur so mancher Schäden nimmt der Hotelbetrieb 1948 wieder seinen Betrieb auf. Doch die Urlaubsziele der Deutschen ändern sich. Nur noch im Winter ist oben richtig was los. Die Ruhrknappschaft Bochum erwirbt das Kurhaus Hundseck 1957 und nutzt es zur Erholung ihrer Bergarbeiter. Ein Hallenbad kommt 1968 hinzu.

Ab 1983 geht das traditionsreiche Kurhotel durch mehrere Hände, doch ein bleibender Erfolg will sich nicht einstellen. Während eines schweren Sturms im November 2010 wird das Dach des Hauses so schwer beschädigt, dass es die Behörden als einsturzgefährdet einstufen.

2007 wird die Hundseck erstmals versteigert. Der erste Teilabriss, der eine auf Jahre hin hässliche Ruine zum Ergebnis hat, erfolgt 2012. Ein tragisches und trauriges Schicksal! Vom einst so ruhmreichen Haus zum Schandfleck! Wie es wohl weitergehen mag?

Hotel Unterstmatt

Auf 928 Metern Höhe steht bereits 1904 ein Gasthaus mit Übernachtungsmöglichkeiten. Anna Klumpp, die Tochter des Ruhestein Hoteliers, kauft das Hotel Unterstmatt 1911. Sie betreibt es zusammen mit ihrem Schwager Josef Reymann, dem Mann ihrer Schwester. Die Zufahrt ist schwierig und geht damals über Sasbach und Breitenbrunnen sowie ab 1925 über die neue Omerskopfstraße, die auch des „Schwarzwalds schönste Zufahrtsstraße“ genannt wird.

So wundert es nicht, dass sich die Besitzer für eine bessere Anbindung an die Hundseck stark machen. Anfang der 1930er Jahre erfüllt sich ihr Wunsch mit dem Bau der Schwarzwaldhochstraße.

Von einer Matte, also einer Bergwiese, leitet sich der Name Unterstmatt ab. Auf der Matte „unterte“ das Vieh, das bedeutet: die wiederkäuenden Kühe ruhten dort.

Kräftezehrender Aufstieg ohne Lift

Der Bau des ersten Skilifts beginnt 1950. Betrieben wird er von einem ausgedienten Panzermotor. Vor dem Liftbau heißt es, erst die Arbeit, dann das kurze Vergnügen: Also Skier auf den Buckel, Stöcke in die Hand – und den Skihang am Rande mühsam hochstapfen. Von oben geht es in sanften Schwüngen nach unten, viel zu schnell, denn schon wieder steht der kräftezehrende Aufstieg bevor.

Die Weiterentwicklung der Unterstmatt zum „Wintersportort Nr. 1 im Nordschwarzwald“ und des Höhenhotels  ist aufs Engste mit den Namen Max und Hans Reymann verbunden. Die beiden Söhne von Josef Reymann übernehmen das Hotel 1952, Hans Reymann führt es bis 1992. Heute erinnert der Hans-Reymann-Weg an seine Verdienste um diesen besonderen Platz auf der Höhe.

Er verkauft die Unterstmatt an die Gebrüder Erich und Heiko Fahrner, Besitzer des Schliffkopfhotels.  Sie setzen den Skibetrieb fort. Längst sind allerdings Schneekanonen im Einsatz und ein neu angelegter Speichersee liefert dem „Skizirkus Unterstmatt“ das nötige Wasser. Der Hotelbetrieb ruht unter den neuen Besitzern. Hoffnungen darauf, dass sie das Höhenhotel nach einer Übergangsphase bzw. nach einem geplanten Abriss und Neuaufbau wiedereröffnen werden, haben sich bisher nicht erfüllt. Die Gästezimmer stehen dem Personal des Schliffkopf-Hotels zur Verfügung. Der Anblick des ehemals so beliebten Höhenhotels wirkt von außen trostlos.

Das Gebiet um die Unterstmatt bietet noch mehr. Mit der „Großen Tanne“ und der „Hochkopfstube“ stehen zwei Höhengasthäuser parat, in denen die Gäste gut versorgt werden; nicht nur mit der obligatorischen Schwarzwälder Kirschtorte, von der man übrigens unbedingt probieren sollte.

Hotel Alexanderschanze

Die 971 Meter hoch liegende Alexanderschanze ist eine Passhöhe. Sie verbindet über die Bundesstraße 28 Freudenstadt mit dem Renchtal. An der Passhöhe liegen die frühere Festungsanlage Alexanderschanze und das gleichnamige Hotel.

Der Straßburger Bischof Johann von Dirpheim läßt schon Anfang des 14. Jahrhunderts am Kniebis erste Befestigungen erbauen, um den wichtigen Pass zu schützen. 1655 gibt es bereits Schanzen. Seit 1734 trägt die Befestigungsanlage den Namen Alexanderschanze, benannt nach Herzog Karl Alexander von Württemberg. Noch heute sind nördlich des Hotels Reste der Alexanderschanze zu sehen.

Die Anfänge des Hotels Alexanderschanze gehen auf ein von Waldschütz Johann Georg Gaiser 1868 erbautes Forstwartshäuschen zurück. Bereits 1887 entsteht der Neubau einer Gaststätte mit Pension. Nach einem Großbrand im Jahr 1911 wird das Hotel wieder aufgebaut.

Hotelbetrieb seit 2015 eingestellt

Aber seit den 1970er Jahren geht der Schwarzwald-Tourismus zurück. Die Alexanderschanze bietet fortan nur noch einfachere Zimmer für Westwegwanderer. Der Hotelbetrieb ist seit Anfang 2015 gänzlich eingestellt. Inzwischen ist das Gebäude Eigentum des Landes Baden-Württemberg.

Nahe der Alexanderschanze entsteht ab Ende 1939 eine Bunkeranlage als Teil des Westwalls. Die Anlage wird auch als „Führerhauptquartier Tannenberg“ genutzt. Adolf Hitler hält sich1940 für kurze Zeit dort auf. 1945 sprengt die Wehrmacht die Anlage.

Der in dieselbe Zeit fallende Weiterbau der Schwarzwaldhochstraße zwischen Ruhestein und Alexanderschanze hat vorrangig militärische Gründe. Um die Fertigstellung der Schwarzwaldhochstraße voranzutreiben, arbeiten dort zeitweilig auch Gestapo-Häftlinge des Arbeitserziehungslagers Kniebis-Ruhestein. Eröffnet wird dieser südliche Teil der Hochstraße allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg.